Medikamentenknappheit: Wie federn Apotheken Lieferengpässe ab?
Es ist ein leidiges Thema: Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln. Für Patient:innen ist es ärgerlich und verunsichernd, wenn ärztlich verordnete Medikamente nicht verfügbar sind. Dass es trotz immer wieder auftretender Engpässe bei Medikamenten nicht zu einem Versorgungschaos kommt ist, liegt in erster Linie an dem unermüdlichen Einsatz der Apothekerschaft. Jeden Tag geben sich die heimischen Apotheker:innen viel Mühe, um gleichwertige Alternativen für aktuell nicht lieferbare Medikamente zu finden und niemanden unversorgt zu lassen.
Vorneweg: Für die Apotheken sind die Lieferengpässe ähnlich ärgerlich wie für die Patient:innen und Kund:innen, denn sie bedeuten einen erheblichen Mehraufwand. Inzwischen ist pro Apotheke durchschnittlich eine Vollzeitkraft nur noch mit der Abfederung von Lieferengpässen beschäftigt. Die Apotheken tragen an den Engpässen aber keinerlei Schuld, denn sie sind in einer langen Kette das letzte Glied vor der Patientin, dem Patienten und haben auf die Schritte zuvor (u.a. Rohstoffanbau, Produktion und Lieferprozesse) keinen Einfluss.
Medikamentensuche per App
Eine der zentralen Funktionen der neuen ApoApp ist die Arzneimittelsuche. Damit lässt sich binnen weniger Sekunden herausfinden, in welcher Apotheke in der Umgebung ein benötigtes Medikament vorrätig ist. Das ist gerade bei Medikamenten, die aufgrund von Lieferengpässen nur eingeschränkt verfügbar sind und womöglich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht in allen Apotheken vorrätig sind, eine wertvolle Hilfe.
Im Idealfall steht bei der Nicht-Lieferbarkeit eines bestimmten Arzneimittels ein wirkstoffgleiches Medikament (Generikum) zur Verfügung, auf das man ausweichen kann. Das ist allerdings leider nicht die Regel. Eine weitere Option ist darum, das Arzneimittel in einer anderen Apotheke, wo es noch Restbestände gibt, oder im Ausland zu beschaffen. Sehr aufwendig, aber auch sehr wichtig ist die dritte Möglichkeit: die patientenindividuelle Zubereitung (magistrale Rezeptur) im apothekeneigenen Labor.
Bei der magistralen Rezeptur fertigen Apotheker:innen Arzneimittel per Hand für bestimmte Patient:innen an. Apotheker:innen sind die einzige Berufsgruppe, die das kann und darf. Die magistrale Zubereitung ermöglicht es, diverse Wirk- und Hilfsstoffe miteinander zu kombinieren, auf individuelle Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Inhaltsstoffen in Fertigarzneimitteln zu reagieren oder auch individuelle Dosierungen für Kinder oder Senior:innen anzufertigen. Gerade für Kinder und Jugendliche fehlen oftmals passende Fertigarzneimittel in der richtigen Dosierung oder Darreichungsform. Bei Kinderärzt:innen liegt der Anteil der magistralen Verordnungen inzwischen bei über einem Drittel. Ebenso können auf Verschreibung oder nach Wunsch spezielle Arzneiformen – wie zum Beispiel Zäpfchen oder Kapseln – hergestellt werden.
In den meisten Fällen gelingt es den Apotheker:innen, vor Ort in der Apotheke eine Lösung für das Anliegen der/des Patient:in bzw. Kund:in zu finden. In den übrigen Fällen wird gemeinsam mit dem behandelnden Arzt, der behandelnden Ärztin weiter nach einer Lösung gesucht, damit aus Lieferengpässen keine Versorgungsengpässe werden.