Wie Hitze die Wirkung von Medikamenten verändern kann
Hitze bedeutet für unseren Körper jede Menge Arbeit, da er die Wärmeregulierung anpassen muss, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Um Wärme abzugeben und eine Überhitzung zu vermeiden, erweitern sich die Blutgefäße und die Haut wird stärker durchblutet. Außerdem verlieren wir durch Schwitzen mehr Flüssigkeit und Elektrolyte als bei normalen Temperaturen und trinken in der Regel auch mehr als sonst. Diese veränderten Prozesse können wiederum einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie bestimmte Medikamente in unserem Körper aufgenommen und abgebaut werden und welche Wirkung sie entfalten.
- Blutdrucksenker (z.B. ACE-Hemmer): Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße, was zu einem natürlichen Absinken des Blutdruckes führt. Zusätzlich eingenommene blutdrucksenkende Medikamente verstärken diesen Effekt, was Schwindel, Kreislaufprobleme oder sogar Ohnmacht mit sich bringen kann.
- Diuretika: Diese Medikamente, die beispielsweise zur Behandlung von Bluthochdruck zum Einsatz kommen, entziehen dem Körper gezielt Wasser und Elektrolyte, in dem sie deren Ausscheidung anregen. Zusammen mit starkem Schwitzen drohen dadurch – besonders bei älteren Menschen – Flüssigkeitsmangel und Kreislaufprobleme.
- Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva, Neuroleptika): Manche dieser Arzneimittel haben einen Einfluss auf Durstgefühl und Schweißproduktion und erhöhen dadurch während Hitzeperioden das Risiko für Überhitzung und Dehydrierung.
- Insulin und orale Diabetes-Medikamente: Bei hohen Temperaturen, hohem Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und durch veränderte Essgewohnheiten im Sommer kann sich die Wirkung dieser Medikamente verändern und das Risiko für eine Unterzuckerung erhöhen. Insulin-Pens sollten immer vor Hitze geschützt werden, da der Wirkstoff bei Temperaturen jenseits der 30 Grad rasch seine Wirkung verlieren kann.
- Schmerz- und Rheumamittel: Wenn bereits ein hitzebedingter Flüssigkeitsmangel vorliegt, können entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac die Nieren stärker als sonst belasten.
- Wirkstoffpflaster: Wird die Haut hitzebedingt stärker durchblutet, kann sie den im Pflaster enthaltenen Wirkstoff schneller und in größerem Umfang aufnehmen als bei normalen Temperaturen, was zu einer Überdosierung führen kann.
Wichtig: Wenn man sich aufgrund der Hitze nicht „fit“ fühlt oder den Eindruck hat, dass ein Medikament anders wirkt als bei normalen Temperaturen, darf die Dosierung von Medikamenten niemals eigenmächtig verändert werden! Dies darf nur nach Rücksprache mit Arzt/Ärztin erfolgen.
Als Arzneimittel-Expert:innen haben Apotheker:innen natürlich im Blick, wie Hitze die Wirkung(en) von bestimmten Medikamente beeinflussen kann. Diese Effekte werden bei der Beratung in der Apotheke dann konkret angesprochen, damit Betroffene „vorgewarnt“ sind, etwa wenn das Durstgefühl nicht wie gewohnt einsetzt.
(Foto Einnahme Medikament: © iStock.com/fizkes; Foto Beratung Apotheke: © Hörmandinger)