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Telemedizin in der Apotheke:
Pilotprojekt entlastet Ambulanzen und überzeugt Patientinnen und Patienten

Präsentation der Studienergebnisse mit Apothekerin Teresa Kriechbaumer, Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, und Apothekerin Caroline Frauendorfer. (c) David Bohmann

Ärztliche Beratung per Video, direkt in der Apotheke und genau dann, wenn viele Ordinationen geschlossen haben: 15 Apotheken in Wien und Oberösterreich haben dieses Angebot fünf Monate lang getestet. Die Ergebnisse des Pilotprojekts „Assistierte Telemedizin in der Apotheke" wurden nun präsentiert. 96 Prozent Zufriedenheit und fast 97 Prozent weniger Ambulanzbesuche sprechen für sich.

Am Freitagnachmittag oder Samstagvormittag ärztliche Hilfe zu bekommen, ist oft schwierig. Viele Ordinationen haben geschlossen, und der Weg führt häufig in die Spitalsambulanz. Hier setzt die assistierte Telemedizin in der Apotheke an: Patientinnen und Patienten können sich in der Apotheke per Videokonsultation ärztlich beraten lassen. Die Apothekerin oder der Apotheker begleitet sie dabei persönlich.

Die Österreichische Apothekerkammer hat dieses Angebot gemeinsam mit UNIQA Health Services, Mavie Next und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) im Rahmen eines Pilotprojekts erprobt. Von Februar bis Juni 2026 stand die Telemedizin in 15 öffentlichen Apotheken in Wien und Oberösterreich jeweils freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr zur Verfügung. Präsentiert wurden jetzt die Ergebnisse von Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, gemeinsam mit den Apothekerinnen Caroline Frauendorfer und Teresa Kriechbaumer.

Hohe Zufriedenheit, vom Kleinkind bis ins hohe Alter

Ausgewertet wurden 481 Telekonsultationen. 96 Prozent der Patientinnen und Patienten waren mit der Versorgung in der Apotheke zufrieden. Das Angebot erreichte alle Altersgruppen: Rund jede fünfte Konsultation betraf ein Kind bis zehn Jahre, aber auch Menschen über 80 und sogar über 90 Jahre nutzten die Telemedizin in ihrer Apotheke.

Schnelle Hilfe direkt vor Ort

Die Menschen kamen vor allem mit akuten Beschwerden in die Apotheke, etwa mit Atemwegserkrankungen und Erkältungen, Bindehautentzündungen, Migräne, Hautausschlägen, Schmerzen oder Magen-Darm-Erkrankungen. Auch Weiterverordnungen von Medikamenten und die Versorgung nach einer Entlassung aus dem Spital waren häufige Anliegen.

In 94 Prozent der Fälle wurde ein Medikament per e-Rezept verordnet oder die Medikation angepasst, und das Medikament war gleich vor Ort in der Apotheke erhältlich. 89 Prozent der Anliegen konnten so abschließend gelöst werden. Bei 10 Prozent wurde ein persönlicher Folgetermin bei der Haus- oder Fachärztin bzw. beim Haus- oder Facharzt empfohlen. Weniger als ein Prozent wurde an eine Spitalsambulanz weiterverwiesen.

Fast 97 Prozent weniger Ambulanzbesuche

Besonders deutlich zeigt sich der Nutzen für das Gesundheitssystem: Ohne das Telemedizin-Angebot wäre fast jede vierte Person (24 Prozent) mit ihrem Anliegen in eine Spitalsambulanz gegangen. Nach der Konsultation in der Apotheke sank dieser Anteil auf unter ein Prozent. Das entspricht einem Rückgang um rund 97 Prozent.

Das entlastet nicht nur die oft überfüllten Ambulanzen, sondern auch das Gesundheitsbudget: Ein Kontakt mit einer Spitalsambulanz kostet österreichweit im Schnitt 364 Euro. Die Telemedizin in der Apotheke ist pro Konsultation zwischen 20 und 70 Euro günstiger als andere Anlaufstellen, je nachdem, wie das Angebot umgesetzt und genutzt wird.

Apotheken sind bereit

Auch die Apothekerinnen und Apotheker ziehen eine positive Bilanz: 90 Prozent der Beteiligten sind bereit, das Angebot dauerhaft umzusetzen. Das Pilotprojekt zeigt, dass die assistierte Telemedizin in der Apotheke ein zukunftsweisendes Angebot mit vielfältigem Nutzen ist. Sie verbessert die Versorgung zu Randzeiten, verkürzt Weg- und Wartezeiten, entlastet die Ambulanzen und spart Kosten. Gleichzeitig lenkt sie Patientinnen und Patienten ohne Zwang an die richtige Stelle im Gesundheitssystem. Da sich das Angebot in allen Apotheken einheitlich und standardisiert umsetzen lässt, ist das Ziel der Österreichischen Apothekerkammer klar: die Telemedizin in der Apotheke österreichweit in die Regelversorgung aufzunehmen.

Quelle Ambulanzkosten: Überregionale Auswertung der Dokumentation in landesgesundheitsfondsfinanzierten Krankenanstalten 2025, Sozialministerium