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Medikamentenvergiftung: Wie leistet man Erste Hilfe?

Medikamente helfen uns, gesund zu werden, Schmerzen zu lindern und Lebensqualität trotz schwerer Erkrankungen zu erhalten. Sie können diese erstaunlichen Effekte erzielen, weil sie sehr potente Wirkstoffe enthalten. Diese Wirkkraft kann jedoch zur Gefahr werden, wenn ein Medikament versehentlich oder vorsätzlich in zu großen Mengen eingenommen wird – man spricht dann von einer Medikamentenvergiftung. Diese stellt eine akute Bedrohung für die Gesundheit und oftmals auch das Überleben des/der Betroffenen dar. Zum Internationalen Tag der Ersten Hilfe haben wir kompakt zusammengefasst, wie Ersthelfer:innen Menschen, die eine Medikamentenvergiftung erlitten haben, unterstützen können bis professionelle Hilfe eintrifft.

Bei einer Medikamentenvergiftung sind rasche Erste-Hille-Maßnahmen erforderlich. (Foto: © istock.com/MikeSaran)

Unfälle mit Medikamenten kommen leider immer wieder vor: Ein kleines Kind gelangt im eigenen Zuhause an eine unzureichend gesicherte Medikamentenbox und schluckt aus Neugier darin befindliche Tabletten. Ein Erwachsener verwechselt in der Eile ein Medikament, weil die Verpackung oder der Name einem anderen Medikament ähnelt. Oder ein älterer Patient verliert den Überblick über die Dosierungen seiner Medikamente und nimmt versehentlich zu viel von einem Arzneimittel ein.  Eine Medikamentenvergiftungen kann aber auch Folge eines vorsätzlichen Missbrauches sein – beispielsweise wenn eine Medikamentenabhängigkeit vorliegt oder in den tragischen Fällen, wenn Personen versuchen, ihr Leben zu beenden. In all diesen Fällen ist es wichtig, dass den Betroffenen so schnell wie möglich durch Ersthelfer:innen geholfen wird.

Bei Vergiftungen mit Medikamenten sollten folgende Sofortmaßnahmen durchgeführt werden:

Erste-Hilfe-Maßnahmen:

  • Tablettenreste gegebenenfalls aus dem Mund entfernen.
  • Vergiftungsinformationszentrale +43 (0)1 406 43 43 kontaktieren, um die Gefährdung abschätzen zu können.

Bei Bewusstlosigkeit:

  • Notruf 144 wählen!
  • Halten Sie die Atemwege frei. Bei einem bewusstlosen Menschen in Rückenlage besteht die Gefahr des Erstickens. Eine einfache stabile Seitenlagerung kann dies verhindern.
  • Bei Atemstillstand führen Sie umgehend eine Wiederbelebung durch.

Im Alltag führen Schmerzmittel (z.B. Paracetamol und Ibuprofen), Psychopharmaka (Benzodiazepine, Antidepressiva), Kardiovaskuläre Medikamente (z.B. Betablocker und Calciumkanalblocker) und Diabetesmedikamente (Insulin) am häufigsten zu Medikamentenvergiftungen, da sie sowohl weit verbreitet als auch bei falscher Anwendung potenziell gefährlich sind. 

Bei Verdacht auf eine Medikamentenüberdosierung sollte in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden! Stellen Sie zudem die Verpackung bzw. das Etikett sicher.

Merkregel: Alles, was Herz, Atmung, Gehirn oder Stoffwechsel stark beeinflusst, sollte besonders sicher verwahrt werden.

Insbesondere Haushalte mit Kindern sollten „giftsicher“ gestaltet werden.

Tipps zur kindersicheren Aufbewahrung von Medikamenten zu Hause

  • Außer Reichweite und Sichtweite: Medikamente immer hoch und verschlossen aufbewahren (z. B. in einem abschließbaren Schrank oder einer Box).
  • Originalverpackung nutzen: Medikamente stets in der Originalpackung mit Beipackzettel lassen – so bleibt Dosierung und Verwendungszweck klar, und die Kindersicherung der Verpackung ist intakt.
  • Kindersicherungen konsequent schließen: Deckel mit Druck-Dreh-Verschluss immer richtig verschrauben.
  • Keine "Handtaschenlagerung": Medikamente niemals in Handtaschen, Nachttischen oder Küchenregalen offen liegen lassen – Kinder finden sie schnell.
  • Keine „Bonbon“-Assoziation: Medikamente nie vor Kindern wie Süßigkeiten einnehmen oder so bezeichnen.
  • Entsorgung: Abgelaufene Medikamente sicher entsorgen (Mistplatz, Problemstoffsammelstelle) und nicht offen in der Wohnung (z.B. in einer Sammeltüte) liegen lassen.