Unterwegs in Schnee und Winter: Sonnenschutz nicht vergessen!
Sonnenschutz ist auch im Winter unverzichtbar – und zwar nicht nur, aber besonders in den Bergen. Kälte und Wolken täuschen, denn die Temperatur hat keinen Einfluss auf die UV-Strahlung, und UVA-Strahlen dringen fast ungehindert durch Wolken – ebenso durch Fensterscheiben von Gondeln oder Hüttenfenstern.
In der Höhe nimmt die UV-Intensität zusätzlich zu: Pro 1.000 Höhenmeter steigt sie im Mittel um etwa zehn Prozent. Frischer Schnee wirkt wie ein Spiegel und reflektiert einen großen Teil der Strahlung nach oben; dadurch wird die Haut von oben und unten bestrahlt, was die Dosis weiter erhöht. So kommt es selbst bei bedecktem, kaltem Wetter rasch zu Sonnenbrand, langfristig zu vorzeitiger Hautalterung und einem erhöhten Hautkrebsrisiko. Auch die Augen sind gefährdet: Ohne UV-Schutz drohen akute Hornhautschäden („Schneeblindheit“), Reizungen und auf Dauer Linsentrübungen.
Wer im Winter Ski fährt, Skitouren geht, wandert oder langläuft, sollte daher konsequent vorbeugen. Entscheidend ist ein breitbandiger Sonnenschutz (UVA/UVB) mit mindestens LSF 30, in der Höhe besser 50 oder 50+. LSF 30 reduziert die UVB-Dosis um etwa 97 %, LSF 50 um rund 98 % – der Unterschied klingt klein, ist bei hoher Gesamtstrahlung aber relevant.
Wichtig ist die richtige Menge: Für Gesicht und Hals gilt die Zwei-Finger-Regel (eine dicke Linie über Zeige- und Mittelfinger), für den gesamten Körper etwa eine Handvoll. Vergessen Sie exponierte Stellen wie Nasenrücken, Ohren, Nacken, Handrücken und – wegen der Reflexion – die Unterseite von Kinn und Nase nicht. Lippen brauchen einen eigenen Stift mit LSF 30 oder höher; wer zu Pigmentstörungen neigt, profitiert im Gesicht von getönten („iron oxide“) Formulierungen, die zusätzlich sichtbares Licht filtern. Tragen Sie den Schutz 15–20 Minuten vor dem Start auf und erneuern Sie ihn alle zwei bis drei Stunden sowie nach starkem Schwitzen, Abwischen, Schneekontakt oder einer Hütteneinkehr. „Wasserfest“ bedeutet übrigens nur begrenzte Beständigkeit (meist 40–80 Minuten), nicht, dass Nachcremen entbehrlich wäre.
Ob mineralisch (Zinkoxid/Titandioxid) oder chemisch (UV-Filter, die Strahlung absorbieren), ist Geschmackssache – beide schützen wirksam, wenn genügend und regelmäßig angewendet. Empfindliche, kälte- oder windgestresste Haut verträgt häufig mineralische, parfumfreie Produkte gut; fettige Haut kommt oft mit leichten Gels oder Fluids besser zurecht. Bei Bart, Glatze und lichten Haarpartien braucht es besondere Sorgfalt: Produkt sorgfältig einarbeiten oder eine dünne, gut haftende Stick-Form verwenden, und die Kopfhaut unter Helm oder Mütze mitbedenken.
Sonnenschutz ist aber mehr als Creme. Technische Maßnahmen sind die Basis: Eine gut anliegende Skibrille oder Sonnenbrille mit UV400-Filter und Seitenrand verhindert nicht nur Blenden, sondern schützt die Hornhaut zuverlässig. Ein Helm mit Schirm, Buff/Schlauchschal und hochgeschlossene Kleidung reduzieren die bestrahlte Fläche; Handschuhe mit langen Stulpen schützen Handrücken, die durch Stöcke und Schnee oft exponiert sind. Funktionskleidung mit ausgewiesenem UPF ist sinnvoll, besonders für Frühjahrs-Firntage. Planen Sie Touren so, dass die intensivste Mittagszeit nach Möglichkeit im Schatten, im Waldgürtel oder bei einer Pause unter einem Vordach liegt. Prüfen Sie vorab den UV-Index (ab UVI 3 wird Schutz empfohlen); in alpinem Gelände kann er an klaren Wintertagen 6 und mehr erreichen.
Spezielle Situationen verdienen Aufmerksamkeit. Kinderhaut ist dünner und besonders empfindlich; Säuglinge gehören nicht in direkte Sonne, auch nicht im Schnee, und sollten primär mit Kleidung und Mütze geschützt werden, ergänzt durch geeigneten Sonnenschutz auf unvermeidlich freien Stellen. Bestimmte Medikamente und Präparate (etwa einige Antibiotika, Retinoide, Johanniskraut) erhöhen die Lichtempfindlichkeit – hier ist zusätzlicher Schutz und Rücksprache mit dem Apotheker, der Apothekerin vor Ort klug.
Wer wegen Vitamin-D-Sorgen auf Schutz verzichtet, setzt übrigens auf die falsche Stellschraube: Die für die Knochengesundheit nötige Versorgung lässt sich sicherer über Ernährung und ggf. Supplemente aus der Apotheke erreichen als über ungeschützte Hochdosis-UV im Schnee.